Katholisches Kreuz

Die Symbolik dieses Kreuzes ist so umfangreich, dass mehr als ein Buch darüber geschrieben wurde. Es ist ein uraltes Symbol, das bereits die Heiden kannten und das später einen festen Platz im Christentum eroberte. Das Kreuz war von jeher das Symbol, mit dem die Gläubigen ihre Zugehörigkeit zur Kirche zum Ausdruck brachten. Im frühen Christentum war es ein einfaches vierspitziges Kreuz. Die Kirche wuchs und entwickelte sich, spaltete sich mit der Zeit in die Westkirche und Ostkirche (heute sind uns die Begriffe katholische und orthodoxe Kirche verständlicher). Diese Kirchen schufen sich einen eigenen Kanon und eigene Formen des Kreuzes.
Die Kreuze der orthodoxen und katholischen Kirche sehen heute sehr unterschiedlich aus, obwohl die einen wie die anderen vom Kreuz der vorchristlichen Epoche abstammen. Ungeachtet der Unterschiede erkennen alle christlichen Religionen das Kreuz als Symbol der Erlösung und des Sühneopfers Jesu Christi auf Golgatha an. Auch die Traditionen der Verehrung des Kreuzes unterscheiden sich in den verschiedenen christlichen Lehren. Die orthodoxe Kirche beseelt das Kreuz und betrachtet es als lebendiges Wesen (z. B. als "lebensspendendes Kreuz"), während des Protestantismus es ausschließlich als Symbol betrachtet, das keine eigenständige Bedeutung für die Erlösung des Menschen hat.
Mit Rücksicht auf die Form ist das katholische das einfachste Kreuz. Es ist oft ein Kreuz mit vier Spitzen und ohne Kruzifix. Ein orthodoxes Kreuz ohne Kruzifix ist undenkbar. Auf der Rückseite des orthodoxen Kreuzes stehen gewöhnlich die Worte "Bewahre und behüte uns." Außerdem unterscheidet sich die Darstellung der Kreuzigung in der orthodoxen und katholischen Kirche. Auf dem katholischen Kreuz wird Christus in hängender Position dargestellt, seine Hände sind eingesunken, das Gesicht drückt Qual und Leid aus. Damit unterstreicht der Katholizismus in erster Linie das menschliche Wesen. Die Orthodoxie erhebt gegen dieses Herangehen Einspruch. Für sie bedeutet der Tod Jesu Christi den Sieg des Guten über das Böse. Deshalb ruhen die Hände des Erlösers auf orthodoxen Kreuzen frei, als ob er danach strebe, die ganze Welt zu umarmen, das Gesicht von Jesus ist ruhig und versöhnlich.
Komplexere katholische Kreuze (sechs oder acht Spitzen) haben oben ein kleines Querholz (wie die orthodoxen Kreuze) mit der Aufschrift "Jesus von Nazareth, König der Juden". Laut Überlieferung war über dem Kopf des gekreuzigten Erlösers auf dem Golgatha ein eben solches Brettchen an das Kreuz genagelt, weil die Henker keinen anderen Namen für den "Missetäter" fanden. Auf einem orthodoxen Kreuz steht auf dem kleinen Querholz die Abkürzung dieser Aufschrift in slawischen Schriftzeichen "IНЦI", auf dem katholischen Kreuz steht in lateinischen Buchstaben "INRI".
Katholische Kreuze sind in russischen Juweliergeschäften im Angebot. Heute herrscht Glaubensfreiheit und in Russland leben viele Katholiken, die sich zur katholischen Kirche und ihrem Glauben bekennen. Es werden katholische Zeichen des Glaubens verkauft, unter anderem Kreuze.